Echtheit
Alte Landkarten: Original oder Faksimile – so erkennen Sie den Unterschied
Drucktechnik, Papier, Plattenrand, Kolorit und Rückseite: die einfachen Prüfungen, mit denen sich eine originale alte Landkarte von einer Reproduktion unterscheiden lässt – mit einer Lupe und etwas Geduld.

Alte Landkarten werden wegen ihrer Schönheit gesammelt, wegen der Geschichte, die sie erzählen, und wegen des Ortes, den sie zeigen. Sie werden aber auch häufig reproduziert: hochwertige Faksimiles des 20. Jahrhunderts, dekorative Drucke und digitale Kopien auf künstlich gealtertem Papier. Die gute Nachricht: Ein Original hinterlässt Spuren, die eine Reproduktion selten vollständig nachahmt. Mit einer zehnfachen Lupe und gutem Licht lassen sich fast alle Prüfungen dieses Ratgebers zu Hause durchführen.
Zuerst die Drucktechnik
Fast alle alten Karten wurden mit einer von drei Techniken gedruckt, und jede hinterlässt andere Spuren:
- Holzschnitt. Die Technik vieler Karten des 16. Jahrhunderts, etwa in Sebastian Münsters Cosmographia und seinen Ptolemäus-Ausgaben. Die Farbe liegt auf den erhabenen Teilen des Stocks, daher sind die Linien etwas kräftiger, und manchmal ist ein leichter Druck im Papier spürbar.
- Kupferstich. Vorherrschend vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Die Farbe sitzt in den Vertiefungen einer Kupferplatte, und das Papier wird kräftig dagegen gepresst. Das Ergebnis sind sehr feine, scharfe Linien, deren Farbe leicht erhaben ist.
- Lithografie. Verbreitet sich im 19. Jahrhundert. Gedruckt wird von einer glatten Fläche ohne Vertiefungen, ein Plattenrand entsteht nicht.
Moderne Reproduktionen werden fast immer im Offsetdruck oder digital gedruckt. Unter der Lupe zeigt der Offsetdruck ein Raster aus regelmäßigen Punkten, oft rosettenförmig, vor allem in farbigen Flächen. Eine gestochene Linie ist dagegen durchgehend. Besteht eine Linie in der Vergrößerung aus winzigen Punkten, haben Sie eine Reproduktion vor sich.
Der Plattenrand
Ein Kupferstich hinterlässt auf dem Papier den Umriss der Platte, einen erhabenen Plattenrand um die bedruckte Fläche, der im Streiflicht sichtbar wird. Er ist eines der verlässlichsten Merkmale eines Kupferstichs, mit zwei Einschränkungen: Die Ränder können beschnitten und der Plattenrand dabei entfernt worden sein, und manche Faksimiles ahmen ihn mit einer Blindprägung nach. Er sollte daher nie der einzige Test sein.
Das Papier
Bis ins späte 18. Jahrhundert war europäisches Papier fast immer geschöpftes Papier mit Rippung: Gegen das Licht gehalten zeigt es feine, dicht beieinanderliegende Linien und quer dazu weiter auseinanderliegende, die sogenannten Stege. Viele Bögen tragen außerdem ein Wasserzeichen, das Zeichen der Papiermühle. Glattes Velinpapier ohne diese Linien setzt sich im 19. Jahrhundert durch.
Altes Hadernpapier hat Körper und eine gewisse Flexibilität. Mit den Jahren zeigt es mitunter Stockflecken, kleine braune Punkte, und einen wärmeren Ton an lichtexponierten Rändern. Gleichmäßig vergilbtes Papier mit identischem „gealtertem“ Ton über den ganzen Bogen ist meist eine Imitation.
Das Kolorit
Jahrhundertelang wurden Karten schwarz gedruckt und von Hand mit Aquarellfarbe koloriert, zeitgenössisch oder später. Handkolorit dringt in die Papierfasern ein, kann leicht über die Linien laufen und unterscheidet sich von Exemplar zu Exemplar. Die gedruckte Farbe einer Reproduktion liegt auf der Oberfläche und zeigt unter der Lupe wieder das Punktraster.
Modernes Kolorit macht eine Karte nicht zur Fälschung: Viele Originale wurden später koloriert, um sie attraktiver zu machen. Es beeinflusst aber den Wert, und ein guter Verkäufer sollte angeben, ob das Kolorit zeitgenössisch oder später ist.
Rückseite und Mittelfalz
- Text auf der Rückseite. Viele Karten aus Büchern tragen rückseitig gedruckten Text, etwa die aus Münsters Cosmographia. Ein Faksimile ist rückseitig meist leer.
- Mittelfalz. Atlaskarten wurden zum Binden in der Mitte gefaltet. Ein Mittelfalz, manchmal mit Resten des Falzstreifens oder mit Verstärkungen, ist normal und passt zu einem Original.
- Nummerierung und Ränder. Seiten- oder Tafelnummern, Bindungsreste und Ränder mit gebrauchstypischer Abnutzung.
Ausgaben, Zustände und spätere Abzüge
Dieselbe Karte konnte jahrzehntelang von derselben Platte gedruckt werden, manchmal mit Änderungen: ein aktualisiertes Datum, ein neuer Verleger in der Kartusche oder eine korrigierte Grenze. Fachleute nennen diese Varianten „Zustände“, und ihre Bestimmung beeinflusst den Wert. Es gibt auch spätere Abzüge von Originalplatten; das sind echte Drucke, aber jünger als die Erstausgabe. Fragen Sie den Verkäufer, um welche Ausgabe es sich handelt und worauf die Datierung beruht.
Kurze Checkliste vor dem Kauf
- Betrachten Sie die Linien unter der Lupe: durchgehend oder aus Punkten?
- Suchen Sie den Plattenrand im Streiflicht.
- Halten Sie das Papier gegen das Licht: Rippung, Wasserzeichen.
- Prüfen Sie die Rückseite: Text, Mittelfalz, Bindungsreste.
- Fragen Sie, ob das Kolorit zeitgenössisch oder später ist und welche Ausgabe vorliegt.
- Bitten Sie beim Fernkauf um Detailfotos mit Maßstab.
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