Echtheit

Alte Ölgemälde: Originale, Kopien und Fälschungen erkennen

Alte Ölgemälde: woran man ein Original erkennt, was das Craquelé verrät, wie man Pigmente und Signaturen prüft und wann eine Kopie zu vermuten ist. Ein praktischer Ratgeber zur Echtheitsprüfung.

Antiga··12 Minuten lesen

Alte Ölmalerei ist vermutlich die Antiquitätenkategorie, in der am meisten Geld verdient und am meisten verloren wird. Ein richtig bestimmtes Gemälde kann das Zehn-, Hundert- oder Tausendfache dessen wert sein, was dafür bezahlt wurde. Ein falsch zugeschriebenes – oder schlicht gefälschtes – Bild kann eine erhebliche Investition in eine teure Lektion verwandeln. Der Unterschied hängt weitgehend davon ab, ob man richtig hinzusehen weiß.

In diesem Artikel gehen wir die wichtigsten Punkte zur Bestimmung alter Ölgemälde durch: was man am Bildträger, an der Malschicht, an den Pigmenten und an der Signatur prüft. Das ersetzt weder das Auge eines Fachmanns noch eine Laboranalyse, liefert aber das Grundwerkzeug, um ein Stück vor dem Kauf einzuschätzen.

Der Bildträger: Leinwand oder Holztafel

Zuerst schaut man auf die Rückseite. Der Bildträger eines alten Gemäldes verrät viel über Entstehungszeit und Herkunft. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts wurden die meisten europäischen Gemälde auf Holz gemalt – Eiche im Norden, Pappel in Italien, Kiefer in Spanien. Ab dem 17. Jahrhundert setzte sich die Leinwand zunehmend durch, bis sie zum vorherrschenden Träger wurde. Ein angeblich aus dem 15. Jahrhundert stammendes Bild auf industrieller Baumwollleinwand sollte sofort Fragen aufwerfen.

Malerei auf Holz

  • Stärke: Alte Tafeln sind meist unregelmäßig dick, mit Dechsel und Hobel ausgedünnt. Gleichmäßig starke Bretter deuten auf maschinellen Zuschnitt hin (ab dem 19. Jahrhundert).
  • Fraßgänge: Holzwurmlöcher sind bei alten Tafeln häufig. Ihre Verteilung sollte zufällig sein; allzu regelmäßige Löcher können vorgetäuscht sein.
  • Verwölbung und Risse: Alte Tafeln verziehen sich mit der Zeit durch Feuchtigkeitsschwankungen. Ein vollkommen planes Brett nach vier Jahrhunderten ist verdächtig.
  • Verleimung: Breite Tafeln bestehen aus mehreren zusammengefügten Brettern. Alte Verbindungen nutzen Glutinleim und Holzdübel, moderne Weiß- oder Kunstharzleim.

Malerei auf Leinwand

  • Gewebeart: unregelmäßig gewebtes Leinen (17.–18. Jahrhundert), grober Hanf (volkstümliche Werke), industrielle Baumwolle (ab dem 19. Jahrhundert). Die Webart ist ein Hinweis auf die Entstehungszeit.
  • Keilrahmen: Alte Rahmen sind aus handbearbeitetem Holz, ab dem 18. Jahrhundert mit Spannkeilen. Industrielle Keilrahmen zeigen maschinelle Sägeschnitte.
  • Doublierung: Viele alte Gemälde wurden doubliert – aus konservatorischen Gründen auf eine neue Leinwand aufgebracht. Eine Doublierung ist kein Hinweis auf eine Fälschung, sondern darauf, dass das Stück behandelt wurde.

Das Craquelé: der Fingerabdruck der Zeit

Das Craquelé – das Netz feiner Risse auf der Oberfläche alter Gemälde – ist einer der verlässlichsten Hinweise auf Alter. Es entsteht durch das allmähliche Schwinden der Ölfarbschichten beim Altern. Jede Epoche, jede Technik und jede Schule erzeugt eigene Rissbilder.

Natürliches Craquelé hat bestimmte Merkmale: Die Risse gehen durch die ganze Malschicht bis zur Grundierung, ihre Ränder sind leicht aufgestellt, und das Muster ist organisch, mit breiteren Hauptrissen, die sich in feinere verzweigen. Künstliches Craquelé – durch Erhitzen der Oberfläche, durch beim Trocknen ziehende Firnisse oder sogar mit einer Nadel eingezeichnet – sieht anders aus: oberflächliche Risse, die die Grundierung nicht erreichen, flache Ränder, zu regelmäßige oder zu zufällige Muster.

Ein Restaurator sagte uns einmal: „Craquelé lässt sich nie ganz fälschen. Das Auge kann man täuschen, das Mikroskop nicht.“ Das stimmt – aber mit einer guten Lupe und Streiflicht sieht man schon viel.

Die Pigmente: Datierung über die Farbe

Die Palette eines Malers hängt von den Pigmenten ab, die zu seiner Zeit verfügbar waren. Das macht die Pigmentanalyse zu einem wirkungsvollen Datierungswerkzeug. Einige wichtige Beispiele:

  • Natürliches Ultramarin (Lapislazuli): seit dem Mittelalter verwendet, sehr teuer, ab 1826 nach und nach durch synthetisches Ultramarin ersetzt.
  • Bleiweiß: das einzige deckende Weiß bis zur Erfindung von Zinkweiß (1834) und Titanweiß (1920).
  • Chromgelb: um 1809 eingeführt. Sein Vorkommen in einem angeblich aus dem 18. Jahrhundert stammenden Bild ist ein Problem.
  • Schweinfurter Grün (Kupferacetoarsenit): um 1814 aufgekommen. Findet es sich in einem Bild „aus dem 17. Jahrhundert“, stimmt die Datierung nicht.
  • Kobaltblau: 1802 synthetisiert. In früheren Gemälden nicht vorhanden.

Die chemische Pigmentanalyse – Röntgenfluoreszenz, Infrarotspektroskopie – kann die Materialien eines Gemäldes genau datieren. Sie ist nicht billig, lohnt sich aber bei Stücken von erheblichem Wert.

Signaturen und Monogramme: äußerste Vorsicht

Signaturen gehören paradoxerweise zu den am wenigsten verlässlichen Merkmalen bei der Echtheitsprüfung alter Gemälde. Viele alte Meister signierten nicht. Viele Signaturen wurden später hinzugefügt, manchmal Jahrhunderte später, um den Wert zu steigern. Und falsche Signaturen sind vergleichsweise leicht auszuführen.

Entscheidend ist die Stimmigkeit zwischen Signatur und Gemälde. Liegt die Signatur unter dem Firnis oder darauf? Liegt sie darauf, wurde sie später angebracht. Passt das Pigment der Signatur zur Palette des Bildes? Entspricht die Schrift der Epoche? Stimmt das Craquelé der Signatur mit dem der übrigen Oberfläche überein? Diese Fragen liefern nicht immer endgültige Antworten, zeigen aber, wo man ansetzen muss.

Zeitgenössische Kopien und moderne Fälschungen

Man sollte zwischen zeitgenössischen Kopien und Fälschungen unterscheiden. Eine Kopie des 18. Jahrhunderts nach einem Gemälde des 17. Jahrhunderts ist ein legitimes Objekt – Maler kopierten offen, zur Ausbildung und im Auftrag – und kann eigenen Wert haben. Eine Fälschung ist ein Stück, das bewusst zur Täuschung geschaffen wurde, mit falscher Signatur und oft künstlicher Alterung.

Zeitgenössische Kopien erkennt man daran, dass sie zwar den Stil nachahmen, aber Hand und Empfinden ihrer eigenen Zeit verraten. Ein Kopist des 18. Jahrhunderts, der einen Velázquez des 17. Jahrhunderts wiedergibt, neigt dazu, den Pinselstrich zu glätten, die Proportionen nach dem Geschmack seiner Zeit zu „verbessern“ und die Pigmente seiner Zeit zu verwenden. Das Ergebnis ähnelt dem Original, wirkt aber anders.

Wann ein Gutachten sinnvoll ist

Die kurze Antwort: immer dann, wenn der Preis die Ausgabe rechtfertigt. Ein Gutachten eines Fachmanns für alte Malerei – mit Sichtprüfung, technischer Fotografie (Infrarot, Ultraviolett, Röntgen) und gegebenenfalls Pigmentanalyse – kostet je nach Aufwand zwischen 500 und 3.000 Euro. Bei einem Gemälde, das Sie für 10.000 Euro oder mehr kaufen wollen, ist es eine unverzichtbare Absicherung.

Große Auktionshäuser liefern bei wichtigen Losen Zustandsberichte und manchmal Zuschreibungsgutachten. Im privaten Handel, bei Händlern und Galerien, liegt die Verantwortung für die Prüfung jedoch beim Käufer. Alte Gemälde ohne fachkundigen Rat zu kaufen, ist Roulette – manchmal gewinnt man, aber wenn man verliert, dann richtig.

Literatur

  • Bomford, D. et al. (1989). Art in the Making: Italian Painting before 1400. London: National Gallery.
  • Eastaugh, N. et al. (2008). Pigment Compendium: A Dictionary and Optical Microscopy of Historical Pigments. Oxford.
  • Van de Wetering, E. (1997). Rembrandt: The Painter at Work. Amsterdam University Press.
  • Museo del Prado. Boletín del Gabinete Técnico: studies of painting technique.

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